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12. November 2025
Alexander Hellwig
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COP30 Belém – Die wichtigsten Nachrichten, Teil I

In dieser dreiteiligen Blogreihe fassen wir die wichtigsten Neuigkeiten rund um die 30. UN-Klimakonferenz (COP) in Belém, Brasilien, zusammen. Zu den bedeutendsten Entwicklungen des Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs sowie der ersten beiden Konferenztage zählen der offizielle Start des „Loss and Damage Fund“ sowie die Ankündigung neuer Initiativen – darunter die Tropical Forest Forever Facility (TFFF) und das Intergovernmental Land Tenure Commitment (ILTC).

Was steht bei COP30 auf der Agenda?

Da die Konferenz in der Amazonasregion Brasiliens stattfindet, hat sie eine besondere Bedeutung: Naturbasierte Lösungen und der Schutz der Wälder stehen im Mittelpunkt. Zugleich wird immer deutlicher, wie groß die Lücke zwischen den bisherigen Reduktions- und Finanzzusagen und dem tatsächlichen Bedarf ist, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, dass der Gipfel greifbare Ergebnisse liefert, statt nur politische Absichtserklärungen. Weitere zentrale Themen sind die Finanzierung, Anpassungen an den Klimawandel, der Schutz indigener Gemeinschaften sowie die Transformation der globalen Ernährungssysteme.

Die Natur im Mittelpunkt

Die Natur spielt eine entscheidende Rolle in den Klimaverhandlungen – insbesondere, da einige Wälder inzwischen mehr Kohlenstoff ausstoßen, als sie aufnehmen. Der „Baku-to-Belém-Fahrplan“ sieht bis 2035 jährliche Klimafinanzierungen in Höhe von 1,3 Billionen US-Dollar vor, doch derzeit fließt weniger als ein Zehntel davon in naturbasierte Initiativen oder Anpassungsprojekte. Brasilien hat Wälder, Ozeane und Biodiversität deshalb zu den Grundpfeilern seiner Agenda erklärt, während die fortschreitende Zerstörung des Amazonas die Dringlichkeit weiter unterstreicht. Indien und andere Staaten des Globalen Südens fordern zudem einen fairen Zugang zu Finanzierungen mit Sonderkonditionen und die Anerkennung der Natur als essenzielle Infrastruktur sowie als Schlüsselinstrument für die Anpassung an den Klimawandel.

NDC-Bericht zeigt positiven Trend – doch stärkeres Handeln ist nötig

Zum Auftakt der COP30 in Belém wurde bekanntgegeben, dass die aktualisierten national festgelegten Beiträge (NDCs) eine weltweite Reduktion der Treibhausgasemissionen um 12 % bis 2035 im Vergleich zu 2019 prognostizieren – basierend auf den Einreichungen von 113 Vertragsparteien. UNFCCC-Exekutivsekretär Simon Stiell erklärte, die Emissionskurve zeige nun tatsächlich nach unten, betonte jedoch, dass deutlich schnellere Fortschritte erforderlich seien, um das 1,5 °C-Ziel des Pariser Abkommens einzuhalten. Die aktuellen Ergebnisse liefern ein Update zum NDC-Analysebericht vom Oktober, der lediglich 64 nationale Pläne berücksichtigt hatte.

Fonds zur Bewältigung von Verlusten und Schäden (FRLD) nimmt Arbeit auf

Der Fonds zur Bewältigung von Verlusten und Schäden (Fund for Responding to Loss and Damage, FRLD), der auf der COP27 in Ägypten ins Leben gerufen wurde, ist nun offiziell aktiv. Der FRLD hat seinen ersten Projektaufruf gestartet – mit einem Startvolumen von 250 Millionen US-Dollar, um betroffene Gemeinschaften bei klimabedingten Schäden zu unterstützen. Der Fonds nimmt Anträge entgegen, die sich auf Klimafolgen wie zerstörte Infrastruktur, die Vertreibung von Kommunen oder den Verlust des kulturellen Erbes beziehen. Obwohl dieser Schritt als wichtiger Meilenstein in Richtung Klimagerechtigkeit gefeiert wird, bleiben die Mittel weit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück: Entwicklungsländer könnten bis 2030 jährlich zwischen 200 und 400 Milliarden US-Dollar benötigen, während bislang lediglich 788 Millionen US-Dollar zugesagt wurden.

Brasilien startet „Tropical Forest Forever Facility“

Beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im Vorfeld der COP30 haben Brasilien und weitere Staaten die Tropical Forest Forever Facility (TFFF) ins Leben gerufen – ein bahnbrechendes „Pay-for-Canopy“-System, das Länder dafür belohnt, ihre Wälder zu schützen. Mit anfänglichen Zusagen in Höhe von 5,5 Milliarden US-Dollar – darunter 3 Milliarden aus Norwegen sowie jeweils 1 Milliarde aus Brasilien und Indonesien – strebt die TFFF eine mittelfristige Kapitalisierung von 125 Milliarden US-Dollar an. Die Mittel sollen aus öffentlichen, privaten und philanthropischen Quellen stammen. Mindestens 20 % der Gelder werden direkt an indigene und lokale Gemeinschaften weitergegeben. Die Überprüfung soll auf Basis von Satellitendaten erfolgen. Unter der Leitung Brasiliens und mit Unterstützung der Weltbank soll die Initiative den Waldschutz finanziell attraktiv machen und damit Klimaschutz, wirtschaftliche Stabilität und soziale Gerechtigkeit miteinander verbinden.

Initiative zum Schutz der Wälder des Kongobeckens

Ebenfalls auf dem COP30-Gipfel der Staats- und Regierungschefs haben Frankreich und Gabun den „Belém Call for the Forests of the Congo Basin“ ins Leben gerufen – eine 2,5 Milliarden US-Dollar schwere Initiative, unterstützt von Deutschland, Norwegen, Belgien, Großbritannien und der Europäischen Kommission sowie der Weltbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank. Ziel ist es, die Abholzung im zweitgrößten Regenwald der Erde bis 2030 zu stoppen – durch gezielte Finanzierung, Einsatz von Technologie und lokalen Kompetenzaufbau. Die Initiative ergänzt Brasiliens Tropical Forest Forever Facility (TFFF) und stärkt internationale Bemühungen, mehr Mittel für Länder mit tropischen Regenwäldern bereitzustellen – zum Schutz von Klima und Biodiversität.

Intergovernmental Land Tenure Commitment (ILTC) vorgestellt

Mehr als 50 Regierungen haben das Intergovernmental Land Tenure Commitment (ILTC) auf den Weg gebracht – die erste globale Vereinbarung zur Stärkung der Landrechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften. Ziel der Initiative ist es, bis 2030 insgesamt 160 Millionen Hektar Land zu sichern und rechtlich anzuerkennen – vor allem in tropischen Waldregionen – und diese Anerkennung direkt mit Klima- und Biodiversitätszielen zu verknüpfen. Unterstützt wird das ILTC durch die Neuauflage des Forest and Land Tenure Pledge über 1,8 Milliarden US-Dollar für den Zeitraum 2026–2030. Die Initiative soll mehr Finanzmittel direkt an lokale Gemeinschaften leiten, rechtliche Reformen fördern und die Entwaldung eindämmen, indem jene Gebiete geschützt werden, die sich als besonders wirksam beim Erhalt von Wäldern und der Speicherung von Kohlenstoff erwiesen haben.

GHG Protocol und ISO treiben einheitliche Kohlenstoffbilanzierung voran

Das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) und die Internationale Organisation für Normung (ISO) haben auf der COP30 einen detaillierten Aktionsplan vorgestellt, um weltweit einheitliche Standards für die Kohlenstoffbilanzierung voranzutreiben – im Einklang mit dem Ziel der COP30-Präsidentschaft, Klimazusagen in konkretes Handeln zu übersetzen. Der Plan soll bestehende Rahmenwerke für die Emissionsberichterstattung stärker aufeinander abstimmen, um die Vielzahl uneinheitlicher Methoden zu adressieren, was den Fortschritt bei der Dekarbonisierung bremst. Bis 2028 werden die Organisationen die notwendigen Standards und Rahmenwerke schaffen, die miteinander kompatible, transparente und verlässliche Ansätze der Kohlenstoffbilanzierung auf Unternehmens-, Produkt- und Projektebene ermöglichen.

Wir halten Sie in den nächsten zwei Wochen weiter auf dem Laufenden. Erfahren Sie in der Zwischenzeit, wie unsere Carbon Solutions Sie dabei unterstützen, Lieferantenemissionen gezielt zu erfassen, die Dekarbonisierung in der gesamten Lieferkette voranzutreiben und klimabedingte Risiken zu mindern.

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