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27. November 2025
Alexander Hellwig
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COP30 Belém – Die wichtigsten Nachrichten, Teil III

Im dritten und letzten Teil unserer COP30-Berichterstattung fassen wir die wichtigsten Ergebnisse der Konferenz zusammen. Wie bei früheren COPs war das Ringen um den finalen Text langwierig, und das Fazit fällt gemischt aus. Wir beleuchten, was COP30 in den Bereichen Anpassung an den Klimawandel, Finanzierung und Ausstieg aus fossilen Energien geliefert hat – und was nicht.

COP30 im Überblick

Die COP30 stand unter dem Motto eines „globalen mutirão“ – ein portugiesischer Begriff für kollektive Anstrengung, der einen Übergang von Ankündigungen zu praktischer Umsetzung markieren sollte. Die Diskussionen drehten sich um fünf Hauptthemen: Anpassung an den Klimawandel, Ambitionen des Klimaschutzes, Finanzierung, handelspolitische Klimainstrumente und Naturschutz. Viele dieser Themen blieben bis zuletzt umstritten.

Messung der Anpassung an den Klimawandel

Die Anpassung an den Klimawandel spielte auf der COP30 eine gewichtige Rolle. Die Delegierten einigten sich auf ein neues Rahmenwerk globaler Indikatoren zur Messung der Fortschritte im Hinblick auf das Globale Anpassungsziel (GGA) des Pariser Abkommens. Diese Indikatoren sollen Ländern helfen zu beurteilen, ob Anpassungsmaßnahmen – wie Frühwarnsysteme, dürreresistente Pflanzen oder Küstenschutz – tatsächlich Wirkung entfalten. Allerdings wurde die finale Indikatorenliste im Vergleich zu einer früheren Expertenversion gekürzt und abgeschwächt. Mehrere Delegierte kritisierten sie als zu vage und schwer umsetzbar.

Anpassungsfinanzierung: Ein Teilerfolg für den Globalen Süden

Die Konferenz erzielte ein wichtiges Ergebnis: eine Einigung, die Anpassungsfinanzierung bis 2035 zu verdreifachen. Zwar verfehlte die Entscheidung die von vielen geforderte Frist bis 2030, sie unterstreicht jedoch das zunehmende Bewusstsein für ungleiche Klimafolgen. Zudem wurde ein zweijähriger Prozess mit einem Ministertreffen vereinbart, um Fortschritte in Richtung des auf der COP29 gesetzten jährlichen Finanzierungsziels von 300 Milliarden US-Dollar zu verfolgen. Einige Minister warnten jedoch, dass ohne klaren Referenzwert und verbindliche Finanzierungsmechanismen die Zusage wirkungslos bleiben könnte.

Fossile Energien: Das fehlende Puzzleteil

COP30 bekräftigte das 1,5-°C-Ziel als globalen Referenzpunkt, stellte jedoch zugleich fest, dass eine temporäre Überschreitung inzwischen wahrscheinlich ist. Alle Staaten wurden aufgefordert, Ausmaß und Dauer eines solchen Überschreitens so gering wie möglich zu halten. Trotz der Forderung von mehr als 80 Ländern gelang es jedoch nicht, einen verbindlichen Fahrplan zum Ausstieg aus fossilen Energien zu verankern. Im finalen Text fehlt jeder Hinweis auf fossile Brennstoffe. Stattdessen verweist er auf den Konsens der COP28, wo ein erstes Versprechen zur Abkehr von fossilen Energien abgegeben wurde. Brasilien kündigte einen freiwilligen Prozess zur Erarbeitung eines Fahrplans für den Ausstieg aus fossilen Energien außerhalb des UN-Rahmens an. Ein globaler Gipfel ist für April 2026 angekündigt, Ergebnisse sollen auf der COP31 präsentiert werden.

NDCs: Die Lücke bleibt

Bis zum 10. Februar 2025 hätten Staaten neue nationale Beiträge zur Emissionsminderung (NDCs) einreichen müssen – 95 % verfehlten diesen Termin. Zu Beginn der COP30 hatten zwar mehr als 100 Länder ihre Pläne abgegeben, diese führen jedoch lediglich zu einer prognostizierten Emissionsminderung von 12 % und einem Temperaturanstieg von bis zu 2,5 °C bis 2100. Zwei freiwillige Initiativen wurden auf den Weg gebracht, um die Erreichung des 1,5 °C-Ziels zu beschleunigen: der Global Implementation Accelerator und die Belém Mission to 1.5.

Fairer Übergang der Wirtschaft und Handel: Unerwartete Fortschritte

Trotz Blockaden in anderen Bereichen gab es Fortschritte bei der gerechten Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft. Mit dem Belém Action Mechanism wurde ein neues Werkzeug geschaffen, um den sozial ausgewogenen Übergang zur grünen Wirtschaft zu unterstützen und negative Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen zu minimieren. Zwar fehlen Finanzierungszusagen, doch die institutionelle Verankerung sozialer Gerechtigkeit gilt als bedeutender Schritt. Zudem werden künftig jährliche Dialoge zum Handel und Klimaschutz stattfinden – ein Erfolg vor allem für Schwellenländer wie China. COP30 warnte ausdrücklich davor, handelspolitische Klimamaßnahmen dürften nicht zu „willkürlicher oder ungerechtfertigter Diskriminierung“ führen – ein indirekter Hinweis auf den CBAM der EU.

Finanzierung: Der wunde Punkt

Die Klimaschutzfinanzierung erwies sich erneut als einer der entscheidenden Streitpunkte. Es wurde ein neues Arbeitsprogramm gestartet, um die Finanzierung für die Minderung des Klimawandels und Anpassung zu skalieren. Entwicklungsländer pochten auf klare Verpflichtungen der Industriestaaten gemäß Artikel 9.1 des Pariser Abkommens, doch verbindliche Zusagen blieben aus. Die angekündigte Verdreifachung der Anpassungsfinanzierung umfasst weder einen definierten Ausgangswert noch klare Verantwortlichkeiten. Diskussionen über Reformen der internationalen Finanzarchitektur – einschließlich multilateraler Entwicklungsbanken – führten zu starken politischen Signalen, aber wenigen konkreten Ergebnissen.

Natur & Wälder: Kein Durchbruch

Obwohl die COP30 im Herzen des Amazonas stattfand, blieb ein verbindlicher Entwaldungsfahrplan aus. Immerhin verpflichteten sich die Staaten, naturbasierte Lösungen in ihre Klimaschutzstrategien zu integrieren. Brasilien brachte die Tropical Forest Forever Facility auf den Weg, ein Finanzierungsinstrument, das Länder für den Erhalt ihrer tropischen Wälder entlohnen soll. Zudem wurde ein freiwilliger Fahrplan zur Beendigung der Entwaldung bis 2030 angekündigt – ebenfalls außerhalb des UN-Rahmens. Die Rolle indigener Gemeinschaften als Hüter der Wälder wurde besonders hervorgehoben.

Veröffentlichung des COP30-Outcome-Berichts

Der neue COP30-Outcome-Bericht fasst die erzielten Fortschritte zusammen, mit Fokus auf die praktische Umsetzung. Dazu gehören Investitionen in erneuerbare Energien und Stromnetze, neue Finanzmittel für den Waldschutz, regenerative Landwirtschaft, gezielte Unterstützung für indigene Gemeinschaften sowie neue Initiativen zu Resilienz, Gesundheitssystemen und Anpassungsfinanzierung. Ergänzend wurde eine Fünf-Jahres-Vision für die globale Klimaagenda veröffentlicht, die weitere Impulse schaffen und die globale Zusammenarbeit stärken soll.

COP30: Auswirkungen auf Unternehmen und Lieferketten

Für Unternehmen markiert COP30 eine Verschiebung von Ambition zu Verantwortung. Die neuen Anpassungsindikatoren werden beeinflussen, wie Investoren und Regulierungsbehörden Resilienz in Lieferketten bewerten. Unternehmen in rohstoffbezogenen Sektoren müssen mit strengerer Kontrolle bei Entwaldungs- und Landnutzungsrisiken rechnen. Der verstärkte Fokus auf den gerechten Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft und handelspolitische Klimainstrumente bedeuten steigende Erwartungen an Transparenz, Fairness und Risikomanagement. Auch wenn das Ergebnis bezüglich fossiler Energien sehr schwach ausfiel, ist die Richtung klar: Märkte und Investoren bereiten sich weiter auf eine beschleunigte Dekarbonisierung vor. Unternehmen, die frühzeitig in Klimaanpassung, Naturschutz und Emissionsreduktion investieren, werden besser aufgestellt sein.

Ausblick: Von Belém nach Antalya – und darüber hinaus

Die COP31-Konferenz wird in Antalya, Türkei, stattfinden – im Rahmen einer ungewöhnlichen Doppelpräsidentschaft: Die Türkei übernimmt die politische Leitung, Australien führt die Verhandlungen und plant eine Vorabveranstaltung im Pazifik. Brasilien hat versprochen, innerhalb eines Jahres konkrete Fahrpläne zur Entwaldung und dem Ausstieg aus fossilen Energien vorzulegen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob COP30 einen echten Wandel hin zur praktischen Umsetzung eingeleitet hat oder ob schwierige Entscheidungen lediglich vertagt wurden.

Haben Sie Teil I oder Teil II unseres COP30-Nachrichtenüberblicks verpasst? Darin finden Sie alle Meilensteine der Konferenz, inklusive Updates zum Loss and Damage Fund, Einblicke zu nationalen Klimaschutzfortschritten, zur Anpassungsplanung, Finanzierung und mehr.

Erfahren Sie außerdem, wie unsere Carbon Solutions Ihnen helfen, die Dekarbonisierung Ihres Unternehmens auf das nächste Level zu heben. Die lieferantenspezifische Datenerhebung und Einbindung steht dabei im Mittelpunkt unserer Produkte.

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